Gähn! Oder wieso mich müde Pferde froh machen...


Die meisten von Euch werden es kennen, wenn das Pferd physio- oder osteotherapeutisch behandelt wird, fängt es oft im Verlauf der Behandlung an zu gähnen. Als Therapeut macht mich das in aller Regel sehr froh, denn das ausgiebige Gähnen eines Pferdes zeigt mir, dass das Pferd entspannt. Präziser: Es zeigt mir zum Beispiel, dass ich eine Blockade lösen konnte oder möglicherweise das Pferd sie selbst unter der Behandlung gelöst hat - denn oftmals folgt das Gähnen einem ausgiebigen Schütteln und Abschnauben. Gähnen - insbesondere in Verbindung mit einer seitlichen Verschiebung der Kiefer gegeneinander - führt ausserdem zu einer Dehnung der Körperfaszie, die sich vom Kiefer aus durch das ganze Pferd zieht. Die oberflächliche Körperfaszie gliedert sich in verschiedene regionale Faszienanteile, die aber ohne feste Grenzen ineinander übergehen. So kann mit ausgiebigem Gähnen im Prinzip der ganze Körper vom Kiefer bis zu den Hinterhufen gedehnt werden. In meinem Blogbeitrag zu Faszien ist dies genauer erklärt.

Auch kann das Gähnen natürlich durchaus für Müdigkeit sprechen. Wer selbst schonmal bei einem Osteopathen oder zur Akupunktur auf der Behandlungsliege Platz nehmen durfte, der hat vielleicht auch feststellen können, dass - obwohl die Behandlung an sich weder körperlich schweisstreibend noch intellektuell besonders anstrengend war - er plötzlich sehr sehr müde wurde. Der Körper ist dann mit sich selbst und den durch die Behandlung gesetzten Impulsen beschäftigt, da ist für andere Aktivitäten erstmal keine Energie mehr übrig. Gute Therapeuten raten nicht umsonst dazu, dem Körper nach einer Behandlung Ruhe zu gönnen, damit der die erhaltenen Impulse auch verarbeiten kann. Ob und wann ein Pferd während der Behandlung gähnt, hängt allerdings nicht nur von der Behandlungsqualität oder -intensität ab sondern ganz stark auch davon, wie gut sich ein Pferd auf die Behandlung einlassen, sich gehen lassen kann. Ich habe schon Pferde erlebt, die bereits nach kürzester Zeit völlig "geistesabwesend" anfingen zu gähnen und andere, die erst am Ende der Behandlung oder auch mal gar nicht richtig los liessen. Lustig finde ich persönlich die Kandidaten, die ihr Gähnen versuchen zu verstecken - ja, auch das gibt es... ein bisschen so wie kleine Kinder, wenn man sie fragt, ob sie müde sind :-)

Auch finde ich es wichtig zu erwähnen, dass Gähnen zwar meist das auffälligste aber bei Weitem nicht das erste oder einzige Anzeichen dafür ist, dass es im Pferd arbeitet. Wer sein Pferd gut kennt und beobachtet, wird auch die subtileren Anzeichen wie ein Zucken der Lippen, eine veränderte Atmung oder ein einfaches "in sich hinein Horchen" wahrnehmen. Dieses Video ist ein anderthalbminütiger Ausschnitt aus einer Behandlung. Ich habe bewusst darauf verzichtet, zu schneiden, weil es einen relativ typischen Behandlungsverlauf zeigt. Ihr könnt sehen, wie die Stute erst noch abgelenkt durch irgendein Geräusch aus ihrer Box heraus schaut, dann plötzlich (wieder) sehr ruhig wird, sich mehrmals zu mir umdreht und dann kaut und leckt um schliesslich mehrmals zu gähnen. Meine rechte Hand ist hier nach wie vor am Pferd und das Video ist mitten in einer Behandlung entstanden.

Aber Achtung: Erhöhte Aufmerksamkeit ist angezeigt, wenn ein Pferd in Ruhe ohne ersichtlichen Anlass häufig gähnt. Hier sollte unbedingt an mögliche Erkrankungen des Verdauungstraktes, Entzündungen der Magenschleimhaut, Magengeschwüre etc. gedacht werden. Auf die noch recht junge Forschung zum Gähnen, weitere Ursachen und Beweggründe und auch die Unterschiede zwischen Gähnen und Spannungssperren, wird in diesem Artikel sehr schön eingegangen. Wie ist es bei deinem Pferd? Kann es sich gut entspannen? Gähnt ihr schonmal ausgiebig zusammen ab? Lass mir gerne einen Kommentar da :-)

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