Nachruf auf (m)einen grossen Lehrer

Puh... wo fange ich an und wie... vielleicht bei den nackten Fakten... King Falcon XX, von Polar Falcon aus der Key to Love, geboren am 15. März 1995 ist seit Mittwoch, dem 25. August 2021 nicht mehr am Leben.


Um 10:04 Uhr rief Hanna an: "Der Loki liegt auf der Weide und kommt nicht mehr hoch, Tierarzt sofort, SOFORT!

Ich rief meine Tierärztin an, fragte, wie weit sie weg sei. "10 Minuten" "Ok, fahr bitte hin, ich bin unterwegs. Bring ihn nicht um, bevor ich da bin." Um 10:10 rief Hanna mich wieder an "Der ist schon gestorben, der ist tot."

Zwischen 10:04 und 10:10 hatte ich schlimme 6 Minuten, in denen ich mich fragte, was zum Teufel wir wohl am Vorabend übersehen hatten und wieso er sich jetzt ein Bein bricht (das war das Bild in meinem Kopf) alles danach ist traurig aber nicht schlimm. Er starb ohne Fremdeinwirkung friedlich im Beisein seiner Kumpels auf der Weide. Was er mir bedeutet hat, ist schwer in Worte zu fassen, zumal mir Begriffe wie "Seelenpferd" oder "Herzenspferd" einfach nicht sehr liegen, weil ich sie als so inflationär benutzt empfinde. "Mein Herz und meine Seele" habe ich aber hier und da mal als Beschreibung genommen...


Seine 26 Lebensjahre oder die 20 Jahre, die er bei mir verbracht hat, in einen knappen Text zu fassen, ist wahrscheinlich nahezu unmöglich aber ich möchte versuchen, es leserfreundlich-unterhaltsam und hoffentlich auch ein bisschen interessant zu machen. Wenn es stellenweise für den ein oder anderen zu sehr abdriftet, bitte ich das zu entschuldigen, es ist meine Wahrheit und meine Geschichte.


Als Englisches Vollblut wurde King Falcon mit der Berufsaussicht "Rennpferd" in England geboren. Aus der Zucht des Gestüts Wiedingen stammend debütierte er im November 1997 unter Andreas Suborics in Frankfurt und wurde Sechster. Ein knappes halbes Jahr später wurde er wieder in Frankfurt mit Subi an Board Dritter und kam dann in seinem dritten Rennen in München ebenfalls mit Subi erstmals als Sieger vom Geläuf. Im tschechischen Derby lief er 1998 auf den sechsten Platz, im darauf folgenden Rennen kam er zu Fall und wurde anschliessend verkauft, blieb aber im Training bei Mario Hofer. Im Juli 1999 wurde er in einem Verkaufsrennen nach einer kurzen Episode bei Trainer von der Recke von den Gebrüdern Brand gekauft und stand bis zum Ende seiner Rennbahn-Karriere im Sommer 2001 bei Trainer Peter Lautner in Düsseldorf. In seiner Karriere absolvierte er 28 Starts, siegte neun mal, war weitere zehn Mal platziert und verdiente 46'000 EUR - eines der Pferde, das zwar vielleicht nicht hoch profitabel war aber immerhin durchaus sein Geld verdient hat.

King Falcon ist auch einer der nicht ganz so häufigen Fälle, in denen sich ein Jockey persönlich um den Verbleib des Pferdes sorgt und so zog er im Sommer 2001 auf Veranlassung von Peter Heugl in einen Reitstall in Erftstadt bei Köln, in dem dessen damalige Lebensgefährtin auch ihr Pferd hatte. Hier durfte ich ihn dann kennenlernen und aus einem "wenn der so brav ist, kann ich mich ja mal drauf setzen, bis ihr einen Käufer habt" wurde relativ bald mein erstes eigenes Pferd. Und so war es eigentlich zunächst mal eine der Kombinationen, die nicht unbedingt besonders ratsam sind... nicht besonders erfahrene Reiterin (heute sage ich komplett plan- und ahnungslos aber das habe ich natürlich damals anders gesehen) und ein Rennpferd ohne reiterliche Grundausbildung im Sinne dessen, wie sie im Breitensport erfolgen sollte.


Als ich Peter mal gefragt habe, wieso er genau dieses Pferd selbst unterbringen wollte, sagte er "Der hat sich auf der Geraden immer das letzte Hemd für seinen Reiter ausgezogen - er hat einen guten Platz verdient." Relativ schnell wurde auch mir klar, dass dieses Pferd einfach in jeder Situation sein Bestes gibt und das hat er bis zu seinem letzten Atemzug auch so durchgezogen.


In seinen ersten zehn Jahren bei mir war er Reitpferd. Anfangs zeigte er mir noch gelegentlich unaufgefordert, dass er früher mal Rennpferd war. Später herrschte zwischen uns - und das kann ich guten Gewissens so sagen - blindes Verständnis. Ein Höhepunkt war sicher unser mehrtägiger Wanderritt allein mit dem Hund durch die Eifel in dessen Vorfeld ich wohl von vielen für verrückt gehalten wurde.


Im Frühjahr 2010 zog ich in die Schweiz und King Falcon mit mir. Hier sind leider die Böden härter bzw. es gibt hier nicht so wunderbare Reitwege wie in den Wäldern bei Erftstadt und nach einem Jahr zwang uns eine ziemlich heftige Arthrose-Diagnose, das Reiten aufzugeben. King Falcon zog im Sommer 2011 zurück über die Deutsche Grenze um täglichen Weidegang auf einer Rentnerweide zu geniessen. Im Sommer 2012 folgte ein weiterer Umzug, weil er die Integration von einer kleinen Rentnergang in eine grössere Herde nicht stressfrei bewältigte und vom Sommer 2012 bis zu seinem Lebensende stand er auf einem kleinen Hof in der Nähe der Grenze. Bis Ende Juli 2018 wurde er dort betreut von seinem neuen Menschenfreund Franz, der leider im Sommer 2018 verstarb. Nach Franz Tod hatte ich grosse Angst, dass King Falcon ihm bald folgen würde und habe mich so nach über acht Jahren überwunden, alle Röntgenbilder gedanklich auf die Seite zu schieben und ihn doch nochmals zu satteln. So haben wir in den letzten drei Jahren seines Lebens noch ein paar Mal eine kleine Runde um die Felder gedreht - gelegentlich mit einem Abstecher auf den Friedhof zu Franz.


Wer meint, jetzt sei die Geschichte eigentlich vorbei, der irrt gewaltig... dieses Pferd hatte ganz offenbar eine Mission, die weit über den Renn- oder Reitsport hinausging. Und die kam für mich erst zu Tage, als ich anfing, mich mehr mit energetischen Themen und konkret mit dem Thema Tierkommunikation auseinanderzusetzen. Im Jahr 2012 wollte ich den Beweis antreten, dass Tierkommunikation ja nur Scharlatanerie, Geldschneiderei und sowieso Mumpitz ist. Mein Geld hatte ich zu anderen Gelegenheiten bereits (noch) sinnloser verprasst und so machte ich einen Termin mit einer Tierkommunikatorin aus und telefonierte erstmals mit Barbara, damals für mich noch Frau Fenner. Die Antworten von King Falcon waren zunächst genau das, was ich hören wollte und das Gespräch hätte mich wohl nicht so wahnsinnig überzeugt, wenn ich nicht im Verlaufe des Telefonates noch auf ein anderes Pferd zu sprechen gekommen wäre. Dieser Teil des Telefonates war dann so unfassbar für mich, dass ich ab dem Zeitpunkt mindestens sicher wusste, dass es etwas zwischen Himmel und Erde gibt, was ich bis dahin mit meinem rationalen Verstand nicht begreifen konnte. Ich war aber auch noch nicht willens zu glauben, dass das Thema mich persönlich noch weiter beschäftigen sollte.


Zwei Jahre später buchte ich (wiederum mehr aus Jux) einen Kurs für Tierkommunikation und im Rahmen dieses Kurses sagte eine Teilnehmerin, als sie nach ihm befragt wurde, sie empfange von ihm ganz klar die Worte "Ich möchte lehren!". Ich habe nicht sofort begriffen, wie das Lehren funktionieren soll, da er ja nun nicht mehr reitbar war aber ich war ja bereits auf dem Weg. Über Facebook kam ich in Kontakt mit vielen Menschen, die sich auch mit telepathischer Tierkommunikation beschäftigten und so kam auch King Falcon zu seinem Recht.


In den folgenden Jahren bis kurz vor seinem Tod hat er unzählige Gespräche mit Anfängern und Fortgeschrittenen in der Tierkommunikation geführt. Besonders Anfängern hat er in einer unnachahmlichen Weise abgeholt und ihnen Sicherheit gegeben. Ich erinnere mich an so viele lustige Gespräche, in denen er Dinge erzählt hat, die zunächst für den Übersetzer so gar keinen Sinn machten. Er erzählte immer mal wieder gerne, dass er gerne mehr von den grünen knisternden Dingern hätte... Franz hatte ihn immer mit Eukalyptusbonbons versorgt. Ausserdem war er sehr eigen, wenn es darum ging, über seine Wehwehchen zu sprechen "das ist doch nur mein Körper" war seine Standard-Antwort und die eine oder andere bekam eine freundliche Abfuhr "selbstverständlich darfst du meinen schönen Body scannen, von aussen, bitteschön". Im letzten Gespräch vor seinem Tod bat er mich dann erstmals darum, auf mich aufzupassen, er brauche mich noch... vier Wochen später wurde mir schmerzlich bewusst, dass es wohl Worte des Abschieds gewesen waren.

In einem Gespräche mit Barbara vor ca. acht Jahren liess ich ihn fragen, ob er noch Freude am Leben habe. Seine Antwort damals war "Ich bin noch nicht fertig hier. Und wenn es soweit ist, wird es sehr schnell gehen, mach dir keine Sorgen‘. Und genau so ist er am 25. August gegangen. Schnell, schmerzlos, ohne Drama, ohne mir eine schwere Entscheidung zu überlassen... und wenn ich natürlich unendlich traurig bin, dann ist das vorherrschende Gefühl Dankbarkeit für diese grosse Seele an meiner Seite.


Und um ganz kurz doch noch ganz sentimental zu werden: Mein bester, tollster und schönster Mäusezahn... ich danke Dir von Herzen für unsere gemeinsame Zeit, es gibt einfach keine Worte für Dich. <3

Bedanken möchte ich mich ausserdem bei Peter Heugl für dieses Geschenk, bei Diana Linden für die Versorgung in den letzten Jahren, bei Fanz Veit, der jetzt wieder mit ihm vereint ist, bei Hanna Koskelo, die die letzten Minuten mit ihm verbrachte und bei allen, die uns über die Jahre begleitet haben. Danke!



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